Wie Pferde deine Berufung coachen

– von Dr. Sabine Schröder aus Berlin/Oberkrämer

In die neue Führungsaufgabe hineinwachsen

Hanna Weinblatt* kehrt aus Portugal nach Berlin zurück, um in einem mittelständischen Unternehmen die Volontäre des Marktführers bei ihren ersten Auslandseinsätzen weltweit zu begleiten. Ihre neu geschaffene Position wird dazu in das langjährig bestehende Organigramm hinzugefügt, hausintern aber wenig kommuniziert. Als weitere Hürde stellt sich heraus, dass es Frau Weinblatt schwer fällt, in ihre neue Führungsrolle hineinzufinden. Sie ist stark verunsichert und meldet sich zum Coaching an, um ihre neue Berufung mit Leben zu füllen.

Warum Coaching mit Pferden?

Nach einigen Sitzungen schlage ich Frau Weinblatt weitere Termine mit einem Pferd als Co-Coach vor. Pferde sind als Flucht- und Herdentiere sensibel in ihrer Wahrnehmung und geben ein unmittelbares ungefiltertes Feedback zu dem Verhalten des Menschen, der mit ihnen arbeitet. Zudem ist Frau Weinblatt gerne in der Natur. Aufgrund ihrer Verunsicherung leidet sie aber inzwischen an so starken Schmerzen, dass sie sich kaum noch draußen wagt.

Zurück zu körperlichem Wohlbefinden

Bei unserem ersten Treffen auf dem Hof schlage ich Frau Weinblatt als Pferde-Coach eine spanische Stute vor, die sanft, aber sehr beharrlich von ihrem Coachee eine klare Führung einfordert. Forja hat einen raumgreifenden Schritt, mit dem sie entspannt läuft. Frau Weinblatt steht vor der Entscheidung, ob sie sich auf ihre Schmerzen und ihr Nicht-Können konzentrieren will, oder ob sie sich zutraut, gehen zu können. Nach bereits 50 Metern gehen Pferd und Mensch im Einklang miteinander. Spannungen lösen sich. Frau Weinblatt erfährt, dass sie ihre eigenen Ressourcen aktivieren kann, wenn sie auch bei sich bleibt und sich gleichzeitig von ihrem Gegenüber zu neuen Schritten herausfordern lässt.

Eigene Grenzen wahren

Bei unserem zweiten Termin beschäftigen wir uns mit Grenzüberschreitungen im privaten und beruflichen Umfeld. Mit derselben Stute geht es heute darum, bei sich selbst zu bleiben und die Führung klar zu übernehmen. Schon nach der ersten Runde zeigt Forja deutlich, wie sie die Führung meiner Klientin wahrnimmt: Sie macht ihr Ding, hört nicht zu und sucht sich immer wieder eigene Wege. Bei diesem Termin kommentiere ich mehr als sonst, was ich bei der Stute wahrnehme und fordere dadurch meine Klientin heraus.

In Beziehung sein

Frau Weinblatt kommt deutlich aufgeräumter zum nächsten Termin. Das Erleben des letzten Coachings hat effektiv nachgehallt. Heute geht es darum, bei sich und beim anderen anzukommen und so miteinander zu arbeiten. Es bietet sich an, dazu noch einmal Forja heranzuziehen, dieses Mal allerdings frei. Schon nach wenigen Metern zeigt sich, dass das Pferd zuhört, stehen bleibt und losgeht, wenn es soll. Auch kleine Kreise und andere Aufgaben gelingen im Einklang. Frau Weinblatt führt die Stute in einer partnerschaftlichen Selbstverständlichkeit, die auch mich berührt.

Ausblick

In diesen drei Einheiten mit Forja ist Frau Weinblatt zunächst einmal sich selbst näher gekommen. Wenn es um Berufung geht, geht es oft auch erst einmal um die Frage, wer man selbst ist, um in einem zweiten Schritt herauszufinden, wozu man als Person berufen ist. Forja hat Frau Weinblatt entscheidend darin unterstützt, bei sich zu bleiben, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, um die neue Führungsrolle mit ihrer ureigenen Persönlichkeit ausfüllen zu können. Darum wird es bei den nächsten Terminen gehen.

Informationen zum Coaching mit Pferden finden Sie auf meiner Internetseite: www.systemisches-pferdegestuetztes-coaching.de

*Name verändert