Wenn Menschen berufen werden – Teil 2: Albert Schweitzer

Wenn-Menschen_2Albert Schweitzer hatte schon viel erreicht und war sogar so begabt, dass er sich aussuchen konnte, ob er eine glänzende Karriere als Wissenschaftler oder Musiker wählen wollte. Doch er hatte gesagt, das er mit 30 sein Leben komplett den leidenden Menschen geben würde und deswegen wählte er keine der beiden Karrieren. Nicht viele verstanden ihn und warfen ihm vor Talent zu vergeuden.

Noch einmal die Studienbank?

Dazu scheiterten seine ersten Versuche, in Straßburg vollzeitig für Bedürftige zu arbeiten. Er bemühte sich darum, nach Übersee – Afrika – auszureisen, um auf einer Missionsstation zu helfen. Doch sein recht eigenwilliger theologischer Standpunkt lief so einigen Missionsorganisationen gegen den Strich. Als er einen Bericht las über die grassierende Schlafkrankheit in Äquatorialafrika, beschloss er, Arzt zu werden. Als praktizierender Arzt würden seine theologischen Ansichten wenig ins Gewicht fallen. Er konnte ganz konkret Leid und Schmerzen lindern. Also drückte Albert Schweitzer noch einmal die Studienbank – um schließlich seine dritte Promotion abzuschließen: nach Theologie und Philosophie noch in Medizin.

„Das Wenige, das du tun kannst, ist viel – wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst.“

Urwalddoktor

Mit seiner Frau Helene reiste er schließlich 1913 aus nach Lambaréné in Gabun. Nach den provisorischen und harten Anfängen wuchs allmählich ein stattliches Spital im Dschungel. Viele Menschen fanden durch Schweitzers Selbstlosigkeit Hilfe und medizinische Versorgung. Und neben der Tätigkeit als Arzt, war es dem Vielbegabten unerwartet weiterhin möglich, zu schreiben und zu musizieren. Auch wenn er bereit gewesen war, diese Leidenschaften ganz aufzugeben. Die Bachgesellschaft aus Paris hatte Schweitzer eine urwaldtaugliche, kompakte Orgel schicken lassen – die eines Tages auf einem Kanu den Ogowefluss – den einzigen Zugang nach Lambaréné –  heraufgerudert wurde.  So konnte er am Abend, wenn die TseTse-Fliege ein Weiterarbeiten unmöglich machte oder es zu dunkel war zum Behandeln, in die Tasten greifen. Und weiter an seiner umfangreichen Kulturphilosophie schreiben.

Nobelpreisträger und Weltgewissen

Der „Urwalddoktor“, der seinen persönlichen Teil zum Frieden und zur Besserung der Welt leistete, war keineswegs im abgelegenen Urwald verstummt. Immer wieder machte er Reisen durch Europa, um Spenden für sein Spital zu sammeln und Benefiz-Orgelkonzerte zu geben. Bücher von ihm wurden gedruckt und 1952 erhielt Schweitzer den Friedensnobelpreis verliehen. Als es in den 1950er Jahren zur atomaren Aufrüstungen einer in Kälte erstarrten Nachkriegswelt kam, schaltete Schweitzer  sich ein. Gestützt durch die Integrität seines Lebensbeispiels – wurde er zum Weltgewissen und Mahner des Friedens.

Mit den unterschiedlichen Facetten seiner Begabungen und Leidenschaften, lebte Albert Schweitzer seine Berufung. Er berührte viele Menschen, half und linderte Schmerz, trug Gewichtiges zu theologischen und philosophischen Diskursen bei – und steht für einen Menschen, der was er empfangen hat, für andere einsetzte.

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Der Artikel ist eine Zusammenfassung der Kompaktbiografie: Albert Schweitzer. Einer, der jedes Leben achtete. Impulsheft von Andrea Specht, 32 Seiten, 2,50€. Erhältlich bei Down to Earth.

 

 

Weitere Teile
Teil 1: Albert Schweizer


Andrea Specht 3Andrea Specht// Ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Als selbstständige Publizistin liebt und lebt sie mit ihrem Mann in Berlin. Beim Down to Earth-Verlag hat sie einige Kompaktbiografien über prägende Menschen geschrieben, wie Albert Schweitzer, aber auch Sophie Scholl, Johann Sebastian Bach und Weiteren.