Wenn Menschen berufen werden – Mutter Teresa

Wenn-Menschen_0Heute wäre Mutter Teresa 105 Jahre alt geworden. Ein Tag an dem es sich lohnt zurück zublicken auf das Leben von Mutter Teresa oder Agnes Bojaxhieu, wie ihr eigentlicher Name lautete.

„Gott achtet nicht darauf, wie viel wir tun, sondern mit wie viel Liebe wir etwas tun.“      Mutter Teresa

 

Agnes Bojaxhieu wuchs in einer wohlhabenden Familie in Skopje – im heutigen Mazedonien – auf. Kindheit und Erziehung waren vom tiefen Glauben ihrer Mutter geprägt. Schon mit zwölf war Agnes fest davon überzeugt, dass sie zu einem Leben für Gott berufen war: Als Missionarin wollte sie in Indien Menschen dienen. So schloss sie sich mit 18 Jahren dem katholischen Loreto-Orden an, der sie schließlich ins indische Bengalen aussandte. Noch während ihres Noviziats im Orden nahm sie den Namen Schwester Maria Teresa an – nach ihrem Glaubensvorbild der Heiligen Thérèse von Lisieux. Diese hatte nach dem Grundsatz gelebt, dass es nicht auf große Dinge ankomme, sondern auf kleine, die mit großer Liebe getan werden. Das wollte die Novizin Maria Teresa auch – Gott und die Menschen von ganzem Herzen lieben.

„Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen, liebe sie trotzdem.“ Mutter Teresa

1937 legte sie ihre ewigen Gelübde ab und wurde damit zur „Mutter Teresa“.

Neun Jahre später – Mutter Teresa war inzwischen Schulleiterin in Indien –  erhielt sie völlig unerwartet eine „Berufung in der Berufung“. Sie  hörte den deutlichen Ruf, in die Slums von Kalkutta zu gehen und Jesus dort in den Leidenden zu finden und zu lieben. Der Bibelvers „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, bohrte sich in ihr Gewissen und wurde zu ihrem Lebensinhalt.

Hindernisse und Zweifel – Teil des Weges

Ihr Weg von dieser Berufung bis in die Slums von Kalkutta war kein einfacher. Sie selbst erschrak vor dem Gedanken, wie die Inder zu essen, zu schlafen und zu leben. Doch Gott zu verweigern, wozu er berief, war für sie noch weniger denkbar.

Doch dann stellten sich ihr ihre Vorgesetzten entgegen, von denen sie die Erlaubnis benötigte. Sie verboten ihr den Weg in die Slums. Mit einer fast aufmüpfigen Beharrlichkeit lag sie immer neu ihren geistlich Verantwortlichen im Ohr. War sie doch überzeugt davon, dass sie diesen Auftrag von Gott gehört hatte und auch gehorchen musste.

„Die Armut wurde nicht von Gott geschaffen. Die haben wir hervorgebracht, ich und du mit unserem Egoismus.“ Mutter Teresa

Schließlich, nach zwei zähen Jahren, genehmigte man ihr den versuchsweisen Aufbau einer Arbeit in den Slums. Mutter Teresa absolvierte einen medizinischen Grundkurs und machte sich auf in die Slums von Kalkutta. Doch ganz auf sich gestellt, fand sie sich überfordert und schwach vor ihrer Aufgabe. Sie hatte plötzlich große Zweifel an ihrer Fähigkeit und litt unter Einsamkeit. Doch sie ging erste kleine Schritte, unterrichtete Kinder und versorgte Kranke. Nach und nach schlossen sich ihr ehemalige Schülerinnen an und so wuchs die Gemeinschaft und die Vision. Zwei Jahre nach den ersten zögerlichen Schritten erhält sie vom Vatikan die Erlaubnis, die Kongregation der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ zu gründen.

Helfen auf Augenhöhe

Für Mutter Teresa war von vorneherein klar, dass Liebe nur dienen kann, wenn sie sich mit dem Leid des anderen ganz eins macht. Sie legte ihre Ordenstracht ab und entschied sich für den einfachsten Sari – wie ihn die Abfallsammlerinnen tragen – einen weißen Baumwollstoff mit blauem Rand.

Sie begann ein Leben wie die Armen Indiens, mit kargem Essen und einfachsten Lebensbedingungen. Um ganz wie sie zu werden, nahm sie sogar die indische Staatsbürgerschaft an.

„Manche Menschen kommen in dein Leben als Segen.                                                             Manche kommen in dein Leben als Aufgabe.“ Mutter Teresa

Zu lieben und zu dienen wurde Mutter Teresas Lebensinhalt. Im erschütternden Anblick von Verwahrlosung und Aussatz ihren Herrn und Gott wahrzunehmen, war ihre große Motivation und Triebkraft: Was sie für einen der leidenden Menschen in ihrem Umfeld tat, tat sie letztlich für Gott.

Mit Hingabe und ohne Unterschied widmete sich Mutter Teresa menschlicher Not. Jedem Leben brachte sie Würde, Achtung und Liebe entgegen. Mutter Teresas Werk wurde im Jahr 1979 mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt.

„Gestern ist vergangen. Morgen ist noch nicht da. Wir haben nur das Heute.                             Lass uns anfangen.“ Mutter Teresa

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Der Artikel ist eine Zusammenfassung der Kompaktbiografie: Mutter Teresa. Eine, die hingebungsvoll liebte. Impulsheft von Andrea Specht, 32 Seiten, 2,50€. Erhältlich bei Down to Earth.

 

 

 


Andrea Specht 3Andrea Specht// Ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Als selbstständige Publizistin liebt und lebt sie mit ihrem Mann in Berlin. Beim Down to Earth-Verlag hat sie einige Kompaktbiografien über prägende Menschen geschrieben, wie Albert Schweitzer, aber auch Sophie Scholl, Johann Sebastian Bach und Weiteren.