Traue deinem Bauchgefühl

– von Friedegard Heuser

Es ist mir noch genau vor Augen: Ein Schlüsselerlebnis aus einem Coaching. Eine Coachingnehmerin hat sich intensiv mit ihrem lang ersehnten Traum beschäftigt und möchte nun zur Tat schreiten. Doch vor die Aufgabe gestellt, ein Ziel und einen nächsten Schritt zur Umsetzung zu formulieren, ist sie frustriert. Der Weg erscheint so logisch und folgerichtig, aber die Aussicht darauf, das Ziel zu erreichen, reicht nicht aus, um sie zu motivieren. Irgendetwas stimmt nicht. Der Weg liegt wie eine Last vor ihr. Wie soll sie es jemals schaffen ihren Traum zu verwirklichen…

Wer kennt das nicht?

Da sind uns Dinge klar, die wir erreichen wollen. Wir sind uns sicher, dass wir es wollen und von der Notwendigkeit der Umsetzungsschritte überzeugt. Und doch können wir uns nur schwer aufraffen sie anzugehen. Irgendetwas blockiert unseren Weg. Unser Bauchgefühl meldet sich und erhebt Einspruch.

Bauchgefühle trügen nicht

Antonio Damasio, ein Neurologe aus den USA, hat in den letzten Jahren herausgefunden, dass wir nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit sogenannten somatischen Markern, die sich im Körper als Gefühle wahrnehmen lassen, entscheiden. Die somatischen Marker reagieren blitzschnell, geben aber nur eine diffuse Antwort. Wir spüren sie als negative somatische Marker in Form von Druck im Magen, Schwitzen der Hände, Kloß im Hals oder ähnliches. Wir spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber das Gespür ist sehr diffus. In positiver Form nehmen wir sie als Wärme, Leichtigkeit oder Entspannung war. Den Grund für die spontane, negative oder positive, Bewertung kann aber nur unser Verstand herausfinden.

Auch der Verstand hat seine Berechtigung

Der Verstand arbeitet sehr präzise, dafür ist er langsam. Dies bedeutet nun nicht, dass wir Entscheidungen nur noch intuitiv treffen sollten. Denn auch unser Bauchgefühl ist fehlbar und kann uns gewaltig irreführen. Hier kann unser Verstand reflektieren und korrigierend eingreifen. Aber das Bauchgefühl vermittelt uns wichtige Informationen. Diese sollten wir mit einbeziehen und unsere Entscheidungen mittels Bauchgefühl noch einmal überdenken.

Das „Aha-Erlebnis“

Nachdem meiner Coachingnehmerin die Frustration deutlich anzumerken ist, nehme ich mir Zeit ihr Ziel gemeinsam noch einmal genauer zu betrachten. Wir nehmen verschiedene Bilder zur Hilfe, denn Bilder transportieren unser Unterbewusstes. Im Gespräch darüber und angeregt durch Nachfragen, formuliert sie ihr Ziel neu. Dabei nutzen wir die Vorgehensweise des Zürcher Ressourcenmodells und verwenden für sie positiv besetzte Verben und Attribute zur Formulierung ihres Ziels.

Und dann kommt es: Zuerst fällt ihr sichtbar ein Stein vom Herzen, ihr Gesicht erhellt sich, die Augen beginnen zu strahlen, und dann richtet sich ihr ganzer Körper auf. Man sieht es ihr förmlich an und dann spricht sie es auch aus: Ich fühle mich befreit und habe richtig Lust mein Ziel anzugehen.

Fazit

So oder/und ähnlich ist es mir schon mehrfach ergangen. Es ist immer wieder faszinierend mitzuerleben, wie Coachingnehmer bei einer Formulierung ihrer Ziele, die ihrer inneren Motivation entspricht, neuen Mut fassen und mit Elan an die Umsetzung gehen. Manchmal stehen wir uns einfach selber im Weg. Dann ist es hilfreich inne zu halten und mit Hilfe eines Coachings auch auf das eigene Bauchgefühl zu achten.


Friedegard Heuser