Stark leben – trotz Einschränkungen

– von Kerstin Wendel, Pädagogin, Autorin und Referentin aus Wetter/Ruhr

Ich kann es trotzdem! Habe anderen etwas zu geben, obwohl ich nicht voll leistungsfähig bin.

Im Element

Leises Geflüster. Ein wenig Unruhe im Saal. Hier und da gedämpftes Lachen. Und gleich geht’s los. Ich werde ein Referat vor vielen Frauen halten.

Eingeschränkt

Zwei Stunden später. Vortrag und tiefgehende Gespräche sind gelaufen. Ich selbst glücklich erschöpft. Und dennoch: Ich werde es nicht oft machen! Im Gegensatz zu vielen Kollegen von mir. Wieso das? Keine Lust, mehr zu arbeiten? Von wegen! Sehr viel Lust sogar. Aber es geht nicht anders, weil ich chronisch krank bin. Eingeschränkt. Wie jeder fünfte deutsche Mitbürger. Krass, eine enorm hohe Zahl.

Trotzdem berufen

Wir chronisch Kranken sind die, die keine 100 % geben können. Denn diese power steht uns seit Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr zur Verfügung. Aber, dickes ABER: Begabt und berufen sind wir trotzdem. Genau das ist unsere Herausforderung.

Trümmerarbeit

Die kommt zuerst. Unter den Trümmern unserer körperlichen und/oder psychischen Einschränkungen müssen wir graben lernen. Und dann kommen sie, die Aha-Erlebnisse für uns chronisch Kranke! Dies oder das geht noch. Diese Begabung kann ich retten, bergen und in meinem neuen Leben nutzen. Zuhören? Singen? Menschen begleiten? Backen? Referieren? Mitdenken? Kämpfen? Leiten? Irgendetwas geht noch…

Ganz groß

Manche von uns leisten Erstaunliches. Im Frühjahr erlebe ich Samuel Koch auf der Bühne. Noch viel eingeschränkter als ich. Aber ganz präsent. Er hat so viel zu geben! Ich kann nur staunen. Ganz stark trotz starker Behinderung. Auch der hat gegraben und gerettet.

Aber auch weniger Prominente sind ganz groß: Meine Freundin Helga kannten deutlich weniger Menschen. Sie hatte sehr viel zu geben, weil sie so gut zuhören konnte. Ankerplatz für Enttäuschte. Ganz groß, was auch sie geleistet hat.

Aber Achtung!

Es geht für uns nur in dem Maß, dass wir schaffen. Dieses Maß wird definitiv kleiner sein als das vieler anderer Zeitgenossen.

Wir erleben also große Herausforderungen: Wie finde ich mein Maß? Wie gewöhne ich mir das Vergleichen ab? Wie lebe ich meine persönliche Berufung? Und wir erhalte ich mir die Kraft, um geben zu können? Genau dafür schreibe oder rede ich! Damit Menschen ermutigt sind, ihre Stärke zu leben. Trotz allem. Trotz aller denkbaren oder undenkbaren Einschränkungen. Sie können dennoch dienen. Menschen oder Projekte warten auf Ihren Einsatz. Dort können sie Zeichen setzen. Lebendige Ausrufezeichen sind das! Wie Samuel Koch oder Helga T. oder Kerstin Wendel oder…

Fazit

Einschränkungen bleiben mitunter lebenslang. Aber, Berufung, Erfolg und Erfüllung sind deshalb nicht für immer verloren. Lassen Sie sich ermutigen! Oder ermutigen Sie andere! Auf, es warten starke Erfahrungen.

 

Buchtipps:

Samuel Koch: Zwei Leben

Kerstin Wendel: Chronisch hoffnungsvoll! Stärke finden in einem Leben mit Krankheit

 


Kerstin Wendel