Erfolgreich-Erfolglos – Erfolgreiche Menschen in Konzernstrukturen

– von David Hirsch, Personal-, Managementberater und Coach aus Jena

„Warum mache ich das Ganze?“ Diese Frage stellte Leila Müller* sich immer häufiger und ahnte: „Da läuft etwas gewaltig schief.“

Trotz beruflichem (Ergebnis)Erfolg war sie unzufrieden und spürte eine Leere in sich. Beim Blick in den Spiegel erschrak sie. Sie war nicht mehr die jugendliche, lebenslustige Leila. Sie war ernst, eingefallen, sichtbar gealtert. Was war geschehen? Warum ging es Leila Müller mit ihrem beruflichen (Ergebnis)Erfolg so schlecht? Leila Müller steht exemplarisch für Menschen in ähnlichen Situationen, die mir immer wieder begegnen.

Die Grundfrage: Welche Zutaten ergeben einen schmackhaften Cocktail von beruflicher Erfüllung?

Leila Müller hat schmerzlich erlebt, dass ihre erfolgreichen Arbeitsergebnisse für sie nicht ausreichten. Damit war sie zwar aus Sicht ihres Arbeitgebers eine erfolgreiche Mitarbeiterin. Nur für sie … die vor Ideen sprühte, Visionen hatte, sich ausprobieren und entwickeln und die „Welt verändern wollte“ … war der berufliche (Ergebnis)Erfolg nur ein Teil von dem, was sie brauchte, um berufliche Erfüllung zu verspüren. Vielleicht der kleinere Teil.

Ihre individuelle, vielleicht in Teilen unkonventionelle Art, ihre Herangehensweise an die Lösung von Fragestellungen, ihr Wunsch sich (und etwas) ausprobieren zu können: all das wurde vom engen Korsett der Konzernregelungen klein gehalten, unterdrückt oder gänzlich verunmöglicht. Das hat auf Dauer dazu geführt, dass Leila Müller um Längen schneller alterte, wie dies ihrem biologischen Alter angemessen gewesen wäre, dass ihre ihr dereinst ins Gesicht geschriebene Energie verebbte.

Trotz vermeintlichem, beruflichem Erfolg ein bitterer Cocktail, dessen Mischungsverhältnis krank macht. Das hat Leila Müller erlebt und erkannt.

Erkenntnis – und nun?

Zunächst galt es also, die Bitterkeit des Cocktails überhaupt zu erkennen. Denn, wenn man diesen seit Jahren konsumiert hat, hat man sich daran vielleicht als „normal“ gewöhnt und kennt gar nichts Anderes? Deshalb ist die Erkenntnis, die Leila Müller durch den Blick in den Spiegel, verbunden mit dem Erschrecken über ihre fehlende Energie sowie ihre Alterung gelungen ist, der erste Schritt.

Die Konsequenz darauf wirkt im ersten Schritt vielleicht wie eine abermalige Zitronensaftzugabe in den eh schon bitteren Cocktail.

Nun stellen sich die Fragen:

  •  Welche Alternativen habe ich?
  • Soll ich meine quasi unkündbare Position mit gutem Konzerngehalt und netten Kollegen aufgeben und ins kalte Wasser der ungewissen Zukunft springen?

Herausfordernd.

Leila Müller ist ihn gegangen – diesen herausfordernden und sicher auf dem Weg manchmal bitteren, am Ende aber für sie erfolgreichen, Weg des Verlassens „ihres Konzernarbeitsplatzes“. Sie hat ihre Kompetenzen, die sie auch in den Konzern eingebracht hat, erweitert um die (Er)Kenntnis verschiedener non-formaler Kompetenzen sowie vor allem ihrer Motivationsfaktoren zusammen gepackt und begleitet heute Start-up Unternehmen der Kreativwirtschaft im Hinblick auf die Solidität der Finanzierung ihrer sich im Gründungsstadium befindenden Unternehmen. Eine Aufgabe die sie liebt und die sie sichtlich erfüllt.

Begleitung hilft

Sie ist diesen Weg aber nicht ohne Begleitung und ohne Hilfe gegangen. Eine solche Hilfe ist vielleicht auch nötig, um auf dem Weg des Ausstiegs aus der (materiellen) Konzernsicherheit flankiert zu werden und um Sicherheit zu gewinnen. Um Reflektieren zu können, ob die Bitterkeit des Cocktails ein Zeichen für die gewollte Veränderung oder für den falschen Weg ist. Vielleicht ist sie auch nötig, um gemeinsam Strategien und Ideen für das Zukünftige entwickeln zu können. Auf dem Weg braucht es Ermutigung, Frustabbau sowie eine Menge Diskussion.

Diese Hilfe bieten eine Vielzahl berufs- und lebenserfahrene Trainer, Berater, Sparringspartner, Mentoren und Coaches an. Hier gilt es genau auszuwählen, „ob die persönliche Chemie“ stimmt und … welche Begleitung besonders notwendig ist. Gilt es sich „nur“ seines (neuen) beruflichen Weges oder auch seiner beruflichen Kompetenzen und Motivationsfaktoren gewärtig zu werden? Je nach Notwendigkeit das zweite (Aus)wahlkriterium d. Begleitung. (www.berufungsportal.de/Coach).

Selbstbewusst den Weg der neuen, beruflichen Orientierung weiter gehen

Vor drei Wochen bekam Leila Müller eine E-Mail von einem Headhunter. Er bot ihr eine Stelle in einem großen, deutschen Konzern an, 70.000 Euro Jahresgehalt plus Firmenwagen. Sie lehnte ab. „Klar, mit meinen, beruflichen Erfahrungen wäre das der nächste logische Schritt“, sagt Leila Müller. „Aber ich bin nicht mein Lebenslauf. Meine wirklichen Interessen stehen da nicht drin.“ Der Headhunter ließ nicht locker. Ob der Job nicht wenigstens mittelfristig was für sie wäre, ihre Träume könne sie nach der Konzernkarriere immer noch verfolgen.

Müller antwortete ihm per Mail: „Ich bin für diese Stelle nicht die Richtige. Alles Gute und viel Erfolg bei Ihrer Suche. Ich hoffe, Sie lieben, was Sie tun.“

Leila Müller war mutig. Sie hat sich Begleitung gesucht. Sie ist den mutigen Schritt der Aufgabe der Konzernsicherheit, des guten Gehalts, der Regelungen etc. gegangen. Damit hat sie für sich einen krankmachenden Zustand beseitigt. Und … sie hat sich über eine Zeit erfolgreich-erfolgreich entwickelt. Diesen Mut mit den richtigen Menschen an ihrer Seite wünsche ich allen die ihre erfolglos-erfolgreiche Situation in einem Konzern um ihrer selbst willen verändern wollen.

*Name geändert

 


David Hirsch