Berufen mit Downsyndrom

Berufen-mit-downsyndromDie eigene Berufung zu finden kann kompliziert sein und manchmal lange dauern. So viele Angebote, die überwältigen oder nichts scheint, als würde es so richtig passen. Für Neele war es noch ein wenig komplizierter, denn sie hat Downsyndrom. Dabei ist der berufliche Weg vorgegeben: Behinderten-Werkstatt. Doch „Schraubenundblablabla“, wie sie selbst sagt, interessierte sie nicht.

 

Frei und Glücklich

2010 machte Neele Buchholz ihren Schulabschluss. Ihre Freunde fingen an, wie üblich, in Werkstätten zu arbeiten. Sie versuchte es auch, aber es war einfach nicht ihr Ding. Sie machte Praktika im Theater, Kita-Küche und Cafés. Aber eigentlich war klar, was sie wollte: Tanzen. Seit sie klein war träumte sie davon und machte bereits Akrobatik und Tanz. Das waren die Momente, in denen sie das Gefühl hatte ganz frei und glücklich zu sein. Doch wie sollte sie das schaffen? Was zum einen für Behinderte nicht üblich als Beruf ist und auch für Nicht-Behinderte schon ein schwerer Weg ist um den eigene Lebensunterhalt zu verdienen. Aber Neele hat sich nicht lange mit dem Gedanken aufgehalten, dass es unmöglich sein könnte.

Ein mutiges Experiment

Corinna Mindt war der Schlüssel. Die Tanzpädagogin lernte Neele kennen und nach einiger Zusammenarbeit machte sie ihr ein ungewöhnliches Angebot und ein mutiges Experiment begann: Neele konnte eine Ausbildung bei tanzbar_bremen beginnen. Mittlerweile ist sie nun die erste vollwertige Angestellte des Vereins. Jeden Tag arbeitet sie mit Corinna an Choreografien, kümmert sich um Organisatorisches wie Künstlerbetreuung und leitete Kurse und Workshops für Schüler, an Wochenenden hat sie Auftritte, oft auch in anderen Städten. Bei Musicals, Opern ist sie dabei und hat mit Corinna ihr eigenes Duett: „Rosa sieht rot“. Alles, wie sie es schafft.

Immer wieder Ja sagen

Nach wie vor würde Neele es immer wieder so machen, aber in der Berufung zu sein heißt nicht, dass sie immer leichtfüßig dahin tanzt. Für Neele ist es besonders schwer, mit der unplanbaren Zukunft umzugehen. Denn eigentlich braucht sie viel Struktur und Sicherheit in ihrem alltäglichen Leben. In den Werkstätten hätte sie genau diese Planbarkeit und Absicherung gehabt, aber zu welchem Preis? So verlässt sie immer wieder ihre Komfortzone und sagt „Ja“ zu ihrer Berufung.

Ansteckungsgefahr

Bei vielen Schülern, denen sie Workshops gibt, bleibt oft mehr Hängen als die gelernten Choreografien. Oft sprechen Taten mehr als jedes Wort und genau das sagt Neeles Leben. Unausgesprochen hinterlässt ihr Weg die Frage: Wenn Neele es schafft ihre Träumen zu leben, trotz ihrer Umstände, dann könnte ich das vielleicht auch schaffen?

Wer gerne mehr über Neele wissen möchte kommt hier zu ihrere Webseite

Einen kleinen Ausschnitt zu ihrem Duett mir Corinna: