Ausbildung/Studium geschafft!! Aber… will ich wirklich in meinem erlernten Beruf arbeiten?

– von Beate Bösche

„Ich kann mir nicht vorstellen wirklich in meinem Beruf zu arbeiten“ höre ich im Erstgespräch häufig aus dem Mund meiner Klienten. Dabei war das Studium durchaus interessant, oder die Ausbildung wurde erfolgreich beendet.

Und trotzdem: Ein Arbeitsalltag in diesem Beruf scheint nach einer gewissen Zeit unvorstellbar.Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Manchmal ist es die Erkenntnis, dass sich die Tätigkeit nicht erfüllend oder sogar sinnlos anfühlt.

Sinnverlust durch Werteunklarheit

Als „sinnlos“ werden die Tätigkeiten empfunden, die für mich persönlich keinen Wert haben. Diese rein subjektive Wahrnehmung kommt aus meinem Inneren und kann von der Außenwelt oft nicht nachempfunden werden. Aussagen wie „Du verdienst doch gut“, „Dein Arbeitsplatz hat eine einmalige Lage“ oder „Du hast aber eine interessante Aufgabe“ sind alles Tatsachen. Diese Tatsachen sind für mich jedoch nicht wichtig. Doch was macht meine Arbeit dann wichtig und wertvoll?

Auf einmal steht die Frage im Raum, wie weit ich mir meiner beruflichen Werte tatsächlich bewusst bin. Die erste Aufgabe ist daher die beruflichen Werte, die als Orientierung und Entscheidungshilfe dienen, herauszufinden. Es gilt die Fragen zu beantworten: „Was ist mir  wirklich wichtig?“ und: „Was ist für mich nicht verhandelbar?“.  Wenn diese Fragen geklärt sind, habe ich etwas wie eine Messlatte, mit der ich mein berufliches Erleben konkret bewerten kann.

Meine Tätigkeiten anhand meiner Werte überprüfen

Als ich persönlich, nach abgeschlossenem Theologiestudium und mittlerweile kirchlicher Festanstellung, meine Coaching-Ausbildung absolvierte, stellte ich mir genau diese Frage: „Was ist mir in meinem Beruf wichtig?“ und „Worauf will ich nicht verzichten?“

Ich formulierte 12 Werte und zu diesen Werten schrieb ich die konkreten Handlungen, wie ich diese beruflichen Werte tatsächlich umsetzte. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass es einen gewissen Anteil von Werten gab, zu denen ich keine Handlungen aus meinem Arbeitsalltag fand. Da wurde mir schlagartig klar, dass diese leichte Unzufriedenheit in mir, die immer mal wieder auftauchte, hier ihre Ursache hatte. Einen Teil meiner Werte lebte ich im Kontext meiner kirchlichen Tätigkeit. Aber Werte wie „Selbstständigkeit“, „Erfolg“, „Weiterentwicklung“ und „Wachstum“ konnten bislang nicht ausgelebt werden. Ich suchte nach Lösungen und musste dann nicht lange überlegen als mir der Gedanke kam mich als „Personal Coach“ nebenberuflich selbstständig zu machen. Menschen durch Seminare und Einzelcoachings in ihrem persönlichen Wachstum zu fördern und herauszufordern – das lässt seitdem mein Herz höher schlagen.

Leidenschaft. Dafür schlägt mein Herz.

Ganz besonders erfüllt es mich mit Begeisterung, diejenigen herauszufordern und zu begleiten, die sich in der Planungs- oder Startphase für ein bestimmtes Projekt befinden. Ob es sich dabei um ein besonderes Café oder soziales Projekt für Kinder in Afrika handelt; einfach zu beobachten, wie Träume ins Leben gebracht werden. Diese Menschen zu unterstützen, dafür empfinde ich Leidenschaft.

Leidenschaft ist ein Motor tief in uns. Wir müssen nicht viel tun – wir müssen uns lediglich unserer Leidenschaft aussetzen. Wenn wir Leidenschaft in einem bestimmten Bereich unserer beruflichen Tätigkeit verspüren, dann wird vieles leichter. Es lohnt sich, sich auf die Suche nach „Nischen“ in unserem Berufsleben zu begeben, in denen wir Funken von Leidenschaft verspüren. Nicht selten lassen sich da noch wahre Feuer entfachen, indem man diese Tätigkeiten ausbaut. Seitdem ich die Entscheidung getroffen habe als Coach nebenberuflich tätig zu sein, fühlt es sich für mich in Kombination mit meiner kirchlichen Tätigkeit stimmig an. Ich bin begeistert vom beruflichen “Gesamtpaket“.

Bei meinen Klienten gab es auch solche Kombi-Lösungen: Da eröffnet jemand, der unzufrieden in einer Werbeagentur gearbeitet hat, ein Fitnessstudio und bringt seine Expertise aus dem ersten Beruf erfolgreich mit ein. Die Werbung dafür kann sich sehen lassen.

Es gibt aber auch den anderen Fall, dass jemand einen komplett neuen Studiengang wählt, weil er feststellt, dass sein Erst-Studium überhaupt nicht mit seinen beruflichen Werten übereinstimmt. So wird aus einem Ingenieur ein begeisterter Pädagoge.

Für mich als Coach ist es ein Vorrecht, Menschen in diesen Neu-Orientierungsphasen zu begleiten und sie danach in einer für sie sinnvollen beruflichen Tätigkeit zu beobachten.


Beate Bösche